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Einseitige Win-Win Strategie: China in Afrika, aber nicht Afrika in China (2018)

Wie ausführlich von Julia Breuer in unserem Blickwechsel von Juli 2017 dargelegt, ist Afrika ein wichtiger Teil der berühmten Seidenstraßenstrategie Chinas. China spielt nicht nur eine große Rolle in einzelnen afrikanischen Ländern im Bereich der Investitionen in Infrastruktur. Auch für einzelne Wahlen kann die Positionierung gegenüber China eine große Rolle spielen, wie der Film "King Cobra and the Dragon" von Solange Chatelard für Zambia aufzeigt (auf Aljazeera verfügbar). Doch wie sieht es mit afrikanischen Perspektiven in China aus? Für lange Zeit war Guangzhou das Herz des „kleinen Afrikas“ und sehr lukrativ für geschäftstüchtige afrikanische Einwanderer. Seit den letzten Jahren zeichnet sich jedoch eine drastische Umkehrung dieses Trends ab. Die Profite bleiben aus und der chinesische Staat signalisiert ihnen, dass sie nicht mehr willkommen sind.

Dengfeng in Guangzhou

Zu Beginn der Jahrtausendwende zog es zahlreiche afrikanische Geschäftsleute nach Guangzhou und die umliegenden Regionen. Durch den Handel mit in China hergestellten Waren konnten enorme Gewinnmargen erzielt werden. Zum Teil gehörten auch gefälschte Markenprodukte wie beispielsweise Schmuck oder Armbanduhren dazu. Kenntnisse über chinesische Plagiate („山寨“) hatten sich zunächst kaum herumgesprochen, sodass gutgläubige Kunden aus den Heimatländern hohe Preise zu zahlen bereit waren.

Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas erschwerten sich die geschäftlichen Bedingungen. Die Stundenlöhne in China steigen bis heute von Jahr zu Jahr deutlich an, was zu einer zunehmenden Aufwertung des Renminbi führt und die Gewinnspanne senkt. Gleichzeitig fehlt es derzeit vielen westafrikanischen Staaten am Zugang zum Dollar, wodurch die Nachfrage leidet. Zudem hat China ihre Gesetze gegen Produktpiraterie unter internationalem Druck verschärft, wodurch der Handel mit Plagiaten unterbunden werden soll.

Auch darüber hinaus reagiert der chinesische Staat zunehmend repressiv auf den Straßenhandel in Guangdong. So werden zur Erreichung einer vermeintlichen „Verschönerung“ der Stadt seit 2014 zunehmend Straßenmärkte verboten und die Polizeipräsenz verstärkt. Generell wurden mit der Überarbeitung des Einwanderungsgesetzes im Jahr 2013 die Strafen für fehlende Visa und Arbeitserlaubnisse verschärft, ohne gleichzeitig neue Möglichkeiten für legale Migration zu ebnen.

Der abweisende Umgang Chinas mit ihren afrikanischen Migranten zeigt, dass China keine gleichberechtigte „Win-Win“-Partnerschaft mit afrikanischen Staaten anstrebt. So weitet China seine Präsenz in Afrika zunehmend aus – verstärkt auch auf medialer Ebene, wie der Erfolg des Medienkonzerns „Star Times“ zeigt. Staatsnahe Fernsehsender verknüpfen Unterhaltung und Werbung mit linientreuer Information und binden so afrikanische Konsumenten stärker an chinesische Produkte und Institutionen. Aber während Chinesen in Afrika Einfluss nehmen und Handel treiben, sind afrikanische Kaufleute in China eher unerwünscht. In der Keynote des von uns veranstalteten Workshops „China global – ideas, values, practices“ erkannte Professor Prasenjit Duara bei dem gegenwärtigen OBOR-Programm mithin Bezüge zu dem kaiserlichen Tributsystem im chinesischen Weltreich (empire). (Quelle: CNN)

Schlagworte: Migration, Handel, Belt and Road Initiative (BRI)