Logo Stiftung Asienhaus

Einige Worte über China

Größe 

  • China - viertgrößtes Land der Erde: nach Russland, Kanada und den USA
  • 27mal so groß wie Deutschland, etwas kleiner als der Kontinent Europa bis zum Ural oder die USA
  • China: Eine Reise vom Norden in den Süden braucht 4.500 km
  • Europa: Vom Nordkap nach Kreta/ Gavdos sind es 3800 km
  • 90 Prozent der Bevölkerung leben auf einem Drittel der Landesfläche. Im Gegensatz zum dünn besiedelten Westchina zählt die Bevölkerungsdichte an Chinas Ostküste zu einer der höchsten der Welt.

Agrarland wird Hightech-Macht

  • 1952 waren 83 Prozent der Erwerbstätigen Bauern  –
  • 2008 waren es 40 Prozent (OECD)
  • 11 % des GDPs wird heute (2010) aus der Landwirtschaft erwirtschaftet (Dland 1 %), 34 % aus der Handwerksindustrie (Dland 24%), 14% aus der restlichen Industrie (Dland 6%) und 40 % aus den Dienstleistungen (Dland 69%).

Bis 2020 soll China ein Hightech-Land mit  erneuerbaren Energien, Biotechnologie, IT, Hybridfahrzeugen werden. Dafür investiert der Staat 300 Mrd. US-$ jährlich.

Durchschnittlicher Schulbesuch

  • 7,5 Jahre (China)                            
  • 12,2 Jahre (Deutschland)

Bescheidener Wohlstand

  • In Deutschland müssen wir nur 12 Prozent unseres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben (2008) - in China muss die ländliche Bevölkerung etwas weniger als die Hälfte (43 Prozent 2006, 1978 waren es 67,7 Prozent), die städtische nur 36 Prozent ausgeben  (2006)
  • Der Lebensstandard hat sich aber von 1978-2001 um das sechsfache erhöht.
  • Zwischen 1998 und 2003 verloren schätzungsweise 16 Millionen in Staatsbetrieben Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.

Armut – wo steht China?

Dem Human Development Report 2013 zufolge leben unterhalb der Armutsgrenze von unter 1,25 $ Kaufkraft am Tag:

  • Phillippinen       18,4 Prozent
  • Indonesien        18,1 Prozent
  • China                 13,1 Prozent
  • Indien                32,7 Prozent
  • Vietnam             40,1 Prozent       …der Bevölkerung.

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 74 Jahren, die Säuglingssterblichkeit bei 16 pro 1000.

(http://hdr.undp.org/en/media/HDR2013%20Report%20German.pdf)

Die Reform und Öffnungspolitik der VR China seit 1978 hat nicht nur wirtschaftlichen Fortschritt, sondern auch soziale Veränderungen mit sich gebracht. Der Staat zieht sich zunehmend aus der sozialen Verantwortung zurück. Einerseits ist die chinesische Gesellschaft dadurch vielseitiger geworden: vielfältige, und individuelle Lebensstile haben sich etabliert, Medien schreiben nicht mehr nur das, was die Partei erlaubt und Bürgervereinigungen formieren sich. Andererseits haben soziale Spannungen zugenommen, verstärkt durch einseitige Reformstrategien der chinesischen Regierung. Proteste gegen Umweltverschmutzung, Beamtenwillkür und Korruption nehmen zu.

China ist von Widersprüchen geprägt. Je nachdem welche Perspektive man einnimmt erscheint China als Regionalmacht, Entwicklungsland oder neue Weltmacht. In China tritt der Kontrast zwischen der modernen Welt samt ihrer Reichtümer und der gleichzeitig existierenden Armut besonders deutlich hervor. Neben den Zentren der Moderne, wie Beijing, Shanghai oder Chongqing existiert in China eine vom neuen Wohlstand abgeschnittene „Parallelgesellschaft“, die jedoch den Großteil der chinesischen Bevölkerung ausmacht. Der Wohlstand der Städte wiederum wird von Millionen Wanderarbeiter/n/-innen ermöglicht, die zu extrem niedrigen Löhnen und ohne soziale oder rechtliche Absicherung tätig sind. Aber den Wanderarbeitern bieten sich in den Städten auch neue Chancen und die Möglichkeit, der Armut auf dem Land zu entfliehen.

Die Auswirkungen der nachholenden Entwicklung auf die Menschen und die Umwelt werden kaum in Europa wahrgenommen. Soziale und ökologische Folgen des Wachstumskurses zwingen nun zum Umdenken – hin zum „grünen Wachstum“. Nicht nur die Lage benachteiligter Gruppen, sondern auch das wachsende zivilgesellschaftliche Engagement in China und die Verflechtung Chinas Realität mit unserem Konsumverhalten und Produktionsweisen werden weitgehend ausgeblendet. Oft wird China nur als Bedrohung für die westliche Wirtschaft wahrgenommen und nicht beachtet, welche Gewinne multinationale Konzerne in China machen und welche Auswirkungen dies auf die Umwelt, die Klimabilanz und die Arbeitsbedingungen der Menschen vor Ort haben. Ein direkter Austausch mit den Menschen vor Ort, mit zivilgesellschaftlichen Gruppen bietet die Gelegenheit, sich ein realistischeres Bild zu machen.

Eine umfassende Darstellung des widersprüchlichen Chinas finden Sie in der Ausstellung „Menschen, Macht und Widersprüche“